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Bücher als Statussymbol: Alte Schinken werden Deko-Objekte

Geretsried – Bücher sind nicht nur dekorativ. Sie erzählen auch die eigene Lebensgeschichte – was man mal las, was man studiert hat, mit welchen Problemen man sich plagt und worauf man steht. All diese Dinge lassen sich am Bücherregal ablesen.

Und plötzlich ist das E-Book beliebt, Hunderte Werke gespeichert auf einem Reader. Trotzdem: Die meisten werfen ihre Bücher nicht weg. Im Gegenteil: Es gibt einen Trend zum Gestalten mit alten Schinken aus bedrucktem Papier. Kreative Köpfe basteln daraus sogar Möbel.

Die Wohnexpertin und Fachbuchautorin Tina Schneider-Rading aus Geretsried (Bayern) schwärmt davon: Bücher sorgten für neue Nestwärme nach dem Umzug. «Sie geben einem ganz schnell das Gefühl, angekommen zu sein.» Ihr Tipp: Raus mit den Büchern aus den Regalen und rein mit ihnen in den Wohnraum als Beistelltisch am Sofa. «Ich bin ein großer Fan von Bücherstapeln, weil das lässig aussieht und sich die Optik immer wieder verändert», erklärt sie.

Eine andere Idee aus dem Kreativportal Pinterest für einen Nachttisch sieht so aus: Er wird aus fest miteinander verklebten, weiß bemalten Büchern zusammengesetzt. Oder die Bücher ersetzen oder umhüllen den Stiel einer
Stehlampe.

Es gibt unzählige solcher Ideen, Bücher weiterzuverwenden. Kreativportale wie Pinterest oder Feeds in Instagram helfen bei der Suche. Manchmal werden auch nur die Seiten zerlegter Lieblingsbücher genutzt, die statt Bunt- oder Origamipapier zu gefalteten und bemalten Kunstwerken für die Wand werden.

Wer aber die guten alten Schinken erhalten will, kann zum Beispiel aus einem etwas breiteren Bücherstapel einen Hocker bauen. Obenauf kommt ein Sitzpolster. «Das wirkt zwar improvisiert, ist dafür aber auch herrlich individuell», findet die Trendanalystin Gabriela Kaiser aus Landsberg am Lech.

Oder einzelne Bücher werden teils ausgehöhlt, so dass sie passgenau eine kleine Pflanze in einem
Pflanztopf fassen können. Auf ähnliche Weise lassen sich auch Kästchen für Schmuck und Krimskrams herstellen – mit dem Umschlag als Deckel. Wem das zu aufwendig ist, für den hat Kaiser einen schnellen Tipp: Eine kleine Vase auf dem Fensterbrett oder Regal erhöhen, indem man zwei schöne Bücher unterlegt. Oder man bindet Omas alte Kochbücher, in die keiner mehr schaut, mit einer Schnur zusammen und zweckentfremdet sie zum Messerblock.

Kaiser schlägt auch vor, auf die Suche nach schönen alten Büchern als Deko-Objekten zu gehen. «Sie haben vielleicht eine interessante Schrift, einen schönen Einband.» Und sie haben eine Geschichte zu erzählen, was heutzutage für viele Menschen wichtig ist.

Zugleich rät sie: Keine Bücher zur Dekoration kaufen, die man nicht auch lesen würde. «Bücherregale sind wahnsinnig persönlich. Es schickt sich nicht, mit Titeln zu gestalten, die nicht zu einem passen», findet die Trendexpertin. «Das dekorative Element ist wichtig, aber man sollte auch einen Bezug dazu haben.»

Das Bücherregal als Statusobjekt wird es auch künftig geben, erklären die
Trendanalysten des Zukunftsinstituts in einer Studie. Sie erwarten aber eine Entwicklung in Richtung Design. Im Regal steht dann eine Auswahl von Büchern, «mit dazwischen eingestreuten anderen Designobjekten, die Teil der Darstellung unseres Egos sind». Vielleicht 50 Bücher werden darin zur Schau gestellt – «die Bücher, mit denen man potenzielle Liebespartner, Familie und Freunde beeindrucken kann».

Und welche Bücher könnten das sein? Jene, die für Leistungen stehen, für Wünsche und persönliche Entwicklung. Ja, sogar die Selbsthilfebücher gehören dazu! Und natürlich die «heimlichen Freuden» wie die Star-Wars-Sammlung, so das Zukunftsinstitut.

Literatur:

Tina Schneider-Rading: Best of Interior, Die Wohntrends 2018, Callwey-Verlag, 2017, 208 Seiten, 39,95 Euro, ISBN-13: 978-3-7667-2285-0;

Oona Horx-Strathern, Christiane Varga, Matthias Horx: 50 Insights- Zukunft des Wohnens, Februar 2017, 115 Seiten, 190 Euro zzgl. 7 Prozent Mwst, ISBN-13: 978-3-945647-38-7

Fotocredits: Franziska Gabbert,Franziska Gabbert,Franziska Gabbert
(dpa/tmn)

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